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Auf einen Blick:

  • Tobias Hoefer wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter der deutschen Tochter von Europas führendem Vermieter von IT- und Präsentations-Equipment bestellt
  • Die Sanierung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen Hoefer und der Geschäftsführung von Livingston Electronic im Rahmen einer Eigenverwaltung
  • Die Aufträge wurden in gewohnter Qualität bearbeitet und umgesetzt und die Löhne und Gehälter der rund 110 Mitarbeiter vorerst gesichert
  • Die Technik von Livingston war u.a. beim Eurovision Song Contest, im Pressezentrum des VfL Bochum und auf internationalem Diagnostik-Kongress im Einsatz
  • Die Chancen für eine Sanierung standen dank der Einbindung von Investoren gut

Der Klient

Die Livingston Electronic Services GmbH mit Hauptsitz in Darmstadt ist die deutsche Tochter von Europas führendem Vermieter von IT- und Präsentations-Equipment und geht auf ein 1950 gegründetes Vertriebs-Unternehmen zurück, das 1967 mit der Vermietung von Messgeräten sein Geschäftsfeld erweiterte. Seit 1970 bietet Livingston Firmenkunden jeder Größenordnung maßgeschneiderte Alternativen rund um die Beschaffung von IT-Equipment. In 2009 erwirtschaftete die Livingston Electronic Services GmbH mit rund 110 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro. Livingston ist in Deutschland und Europa der Marktführer bei Vermietung und Verkauf von neuen und gebrauchten Computern und Zubehör, Präsentationstechnik, Audio- und Video-Zubehör sowie bei damit in Zusammenhang stehenden Dienstleistungen. Mit einem Mietgerätebestand von rund 28.000 Geräten wie beispielsweise Laptops, PCs, Storage-Systemen und High-End-Servern sowie über 3.000 Versendungen pro Monat mit ca. 10.000 Assets ist Livingston Europas führende herstellerunabhängige IT Rental Company. Am Hauptsitz in Darmstadt betreibt der Technikanbieter dafür ein überregionales Logistik Center.

Die Ausgangslage

Livingston Electronic Services hatte am 11. März 2011 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Tobias Hoefer wurde vom zuständigen Amtsgericht Darmstadt daraufhin zum vorläufigen Insolvenzverwalter des international tätigen Spezialisten für Kurz- und Langzeitvermietung von IT- und Präsentationstechnik bestellt. Der Geschäftsbetrieb lief auch nach dem Insolvenzantrag in vollem Umfang und mit der Qualität eines Marktführers weiter.

Die Livingston Electronic Services GmbH ist eine Tochter der Livingston UK Ltd, die sich in der Insolvenz befindet. Nach Angaben des Unternehmens wurde der Insolvenzantrag erforderlich, weil das die Livingston Electronic Services GmbH finanzierende Kreditinstitut in Folge der Finanzkrise das Engagement nicht mehr fortsetzen konnte.

Hoefer prüfte in Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Michael Thierhoff, wie das Unternehmen in Eigenverwaltung erfolgreich saniert und dauerhaft erhalten werden kann. Der Sanierungsexperte Thierhoff ist Gründungspartner der Sozietät Thierhoff Illy & Partner und seit dem 1. März 2011 Geschäftsführer der Livingston Electronic Services GmbH. Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung das Unternehmen in eigener Regie im Rahmen eines Insolvenzverfahrens restrukturieren und sanieren will. Dabei führt sie den Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter und im Konsens mit den Gläubigern und den Verfahrensbeteiligten fort.

Die Sanierungslösung

Der vorläufige Insolvenzverwalter und die Geschäftsführung der Livingston Electronic Services GmbH stimmten sich eng mit den britischen Insolvenzverwaltern ab. Als Teil des gemeinsamen Sanierungskonzeptes wurde auch geprüft, ob und wie sich die Insolvenz der Livingston UK Ltd auf die europäischen Schwesterunternehmen der Livingston Electronic Services GmbH auswirken könnte. Das operative Geschäft der Livingston Electronic Services GmbH wäre davon allerdings nicht betroffen gewesen. Unterdessen ging die Suche nach einem Investor für Livingston weiter. „Neben dem stabil laufenden Geschäftsbetrieb ist der treue Kundenstamm ein wichtiges Signal für die Interessenten“, meint Tobias Hoefer.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Prominente Kunden wie der Eurovision Song Contest, der VfL Bochum und der 43. Internationale Diagnostik Kongress in Davos setzen weiterhin auf die gemietete IT- und Präsentationstechnik der Livingston Electronic Services GmbH. Auch bei zahlreichen namhaften Software-Unternehmen, nahezu allen europäischen Bankhäusern, Versicherungs- und Telekommunikationsunternehmen sowie Konzernen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie ist die Leistungsstärke des hessischen Unternehmens immer noch gefragt. Monatlich wurden vom Unternehmen auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über 3.000 Transaktionen getätigt.

Für die insgesamt rund 110 Mitarbeiter der Livingston Electronic Services GmbH konnten die Löhne und Gehälter seit der Antragstellung auf Insolvenz weiterhin pünktlich ausgezahlt werden.

Damalige Stimmen zur Sanierung

„Wir haben Gespräche mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern geführt. Die Rückmeldungen, die wir erhalten haben, waren durchweg positiv, das Interesse aller Beteiligten am Fortbestand des Unternehmens ist groß. Ich sehe daher gute Chancen, dass eine Sanierung gelingen kann. Es haben sich Interessenten gemeldet, die Livingston Electronic Services übernehmen wollen.“ (RA Tobias Hoefer)

 

„Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir für sie weiterhin der erstklassige Partner sind, den sie kennen. Wer zu uns kommt und IT- oder Präsentations-Equipment braucht, für den entwickeln wir eine maßgeschneiderte Lösung und setzen sie anschließend um.“ (Michael Thierhoff, Geschäftsführer Livingston Electronic Service GmbH)

 

„Wir spüren einen positiven Trend. So stehen mit weiteren Kunden Vertragsabschlüsse unmittelbar bevor. Dass darunter neben neuen auch Kunden sind, mit denen Livingston bereits seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet, ist ein Beleg für die hohe Zufriedenheit der Kunden und das Vertrauen in das Unternehmen.“ (Siegbert Franz, Mitglied der Geschäftsleitung von Livingston Electronic Services)

Auf einen Blick:

  • Tobias Hoefer wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Spezialisten für optisch aktive Verbindungen und Auftragssynthese bestellt
  • Die Verfahrenseröffnung bedeutete keinerlei Einschränkungen für Kunden. Die Aufträge wurden in der gewohnten Qualität bearbeitet und ausgeführt
  • Die Auftragsbücher des Unternehmens waren auch weiterhin gut gefüllt
  • Investoren wurden ausgemacht, die das traditionsreiche Chemieunternehmen übernehmen wollten

Der Klient

Die WP Mannheim GmbH geht auf die 1877 gegründete „Chemische Fabrik Lindenhof C. Weyl & Cie AG“ zurück. Das Unternehmen mit Sitz im Mannheimer Stadtteil Waldhof ist Spezialist für optisch aktive Verbindungen, die in der Pharma- und Kosmetikbranche eingesetzt werden. Das Unternehmen erwirtschaftete mit rund 90 Mitarbeitern in 2010 einen Umsatz von 13 Mio. Euro.

Die Ausgangslage

Die Geschäftsführung des Chemieunternehmens hatte am 4. Februar 2011 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Nach Aussage des Geschäftsführers war der Hauptgrund für den Insolvenzantrag der Ausfall einer Forderung in Millionenhöhe gegen eine ehemalige US-Tochtergesellschaft.

Die Sanierungslösung

Tobias Hoefer prüfte bei WP Mannheim vor Ort, wie das Unternehmen erfolgreich saniert und dauerhaft erhalten werden kann. Dazu wurden mit Gläubigern, Kunden, Lieferanten, Betriebsrat und Mitarbeitern intensive und konstruktive Gespräche geführt.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Zur positiven Zukunftsperspektive trug entscheidend bei, dass die Auftragsbücher gut gefüllt waren und WP Mannheim in der Branche über einen ausgezeichneten Ruf sowie eingeführte Produkte verfügte, die weltweit gefragt sind. Direkt zu Beginn des Verfahrens hatten sich erste Interessenten gemeldet, die WP Mannheim übernehmen wollten. Die Löhne und Gehälter der rund 90 Mitarbeiter konnten durch Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes vorerst gesichert werden.

Damalige Stimmen zur Sanierung

„Ich sehe gute Chancen, dass eine Sanierung gelingen kann. Alle Beteiligten haben signalisiert, dass sie bei der Sanierung des Unternehmens an einem Strang ziehen wollen.“ (RA Tobias Hoefer)

 

„Für unsere Kunden gibt es durch das Insolvenzverfahren keine Einschränkungen. Alle Aufträge werden in der gewohnten Qualität bearbeitet und ausgeführt.“ (Dr. Josef Götz, Geschäftsführer der WP Mannheim GmbH)

 

 „Der Standort verfügt über einige Stärken. Die Belegschaft ist motiviert, ihren Teil zur Fortführung des Unternehmens beizutragen. Selbstverständlich hoffen wir darauf, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ (Thomas Trüper, Betriebsratsvorsitzender am Standort Mannheim)

Auf einen Blick:

  • Das auch überregional renommierte Bauunternehmen sah das Insolvenzverfahren als letzte Chance für eine Sanierung
  • Das Amtgericht in Pforzheim bestellte Tobias Hoefer zum vorläufigen Insolvenzverwalter
  • An allen zehn aktuellen Baustellen wurde trotz Insolvenz weiter gearbeitet
  • Dank Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die 100 Mitarbeiter gab es keine Lohnrückstände

Der Klient

Pfirmann-Bau hat sich in den über 55 Jahren seines Bestehens in ganz Baden-Württemberg einen Namen als Spezialist für Ingenieurbau und den Schlüsselfertigbau bei Industrieprojekten gemacht. Schwerpunkte der Bautätigkeit sind neben Gewerbebauten auch Klärwerke und Regenüberlaufbecken. Das Tochterunternehmen Seyfried Bau in Höfen an der Enz ist vorwiegend im Tiefbau tätig. Im letzten abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschafteten die beiden Unternehmen einen Umsatz von insgesamt rund 14 Mio. Euro.

Die Ausgangslage

Die Geschäftsführung der Erwin Pfirmann GmbH + Co. KG und der Seyfried Bau GmbH hatten in den letzten Wochen des Jahres 2010 ein Sanierungskonzept erarbeitet, um die aufgelaufenen finanziellen Altlasten zu bewältigen. Allerdings konnte darüber mit den Gläubigern keine Einigung erzielt werden. Damit fehlten den Unternehmen die Mittel, um die anstehenden Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. So blieb der Geschäftsführung nur noch der Antrag auf ein Insolvenzverfahren, um das Unternehmen erfolgreich zu sanieren.

Die Sanierungslösung

Als Voraussetzung für eine erfolgreiche Sanierung erreichte HST Hoefer | Schmidt-Thieme, dass die Auftraggeber, Lieferanten sowie Nachunternehmen Pfirmann-Bau und Seyfried-Bau weiter die Treue hielten und die Betriebe auch bei weiteren Ausschreibungen berücksichtigt wurden.

Das wirtschaftliche Ergebnis

An allen Anfang 2011 operierenden Baustellen konnte die Arbeit in vollem Umfang weiter gehen. Positiv bewertete Hoefer, dass die Löhne für die insgesamt rund 100 Arbeitnehmer für Dezember 2010 noch bezahlt wurden und keine Lohnrückstände aufgelaufen waren. Dadurch waren die Bedingungen gegeben, um den Insolvenzgeldzeitraum für die Restrukturierung zu nutzen. Alle Mitarbeiter konnten ohne Einschränkungen weiter beschäftigt werden.

Damalige Stimmen zum Sanierung

„Nach meinen ersten Eindrücken vor Ort sehe ich eine positive Fortführungsperspektive für beide Betriebe. Von Seiten der Gläubigerbank habe ich bereits erste Signale bekommen, dass sie die Fortführung unterstützen will. Deshalb können wir auch an allen gegenwärtig zehn Baustellen in vollem Umfang weiter arbeiten.“ (RA Tobias Hoefer)

 

„Wir können die durch finanzielle Altlasten bedingte Restrukturierung unseres Unternehmens trotz voller Auftragsbücher nicht aus eigener Kraft stemmen. Deshalb haben wir Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, um so Pfirmann-Bau und das Tochterunternehmen Seyfried Bau GmbH wieder auf eine gesunde, zukunftsfähige Basis zu stellen. Das deutsche Insolvenzrecht gibt uns hierzu gute Möglichkeiten.“ (Steffen Stüber, Geschäftsführer Pfirmann GmbH & Co. KG)

Auf einen Blick:

  • Das Insolvenzgericht Aschaffenburg hatte im Mai 2011 ein Hauptinsolvenzverfahren gegen den wegen Betrugs angeklagten Hedgefondsmanager Helmut Kiener eröffnet
  • Das Amtgericht Aschaffenburg bestellte Tobias Hoefer zum vorläufigen Insolvenzverwalter
  • Mit dem Verfahren waren mehrere europäische Gerichte beschäftigt
  • Hoefer konnte die gesamten aktuellen und potenziellen Vermögenswerte Kieners im In- und Ausland für die Gläubiger sichern
  • Kiener wurde im Juli 2011 zu fast elf Jahren Haft verurteilt

Die Ausgangslage

Dem 51jährigen Diplom-Psychologen und Hedgefonds-Manager Helmut Kiener wurde in Würzburg der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft warf ihm in einem der größten Anlagebetrugsprozesse in Deutschland gewerbsmäßigen Betrug in 35 besonders schweren Fällen, Urkundenfälschung in 86 Fällen sowie Steuerhinterziehung vor. Er sollte nach den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Würzburg etwa 5.000 Sparer und zwei Großbanken durch den Aufbau eines „Schneeballsystems“ für den Verkauf von „Finanzprodukten“ um insgesamt 345 Millionen Euro betrogen haben.

Das Insolvenzgericht Aschaffenburg hatte am 30. Mai 2011 ein Hauptinsolvenzverfahren nach der Europäischen Insolvenzverordnung (EUInsVO) gegen den wegen Betrugs angeklagten Hedgefondsmanagers Helmut Kiener eröffnet. Damit hatten sich auch andere europäische Gerichte an den Entscheidungen des Insolvenzgerichts Aschaffenburg zu orientieren, so dass hier in der Konsequenz die Verwertung wie auch die Ansprüche aller Gläubiger im Insolvenzverfahren Kiener gebündelt in einem Verfahren effizient abgearbeitet werden konnten.

Das Verfahren

Insolvenzverwalter Tobias Hoefer hatte seit Aufnahme des Insolvenzverfahrens in den vergangenen Monaten alle gesetzlichen Möglichkeiten zur Sicherung der vorhandenen Vermögenswerte ausgeschöpft. Dabei konnte er die gesamten aktuellen und potenziellen Vermögenswerte im In- und Ausland für die Gläubiger sichern.

Die Verbindlichkeiten beliefen sich auf rund 10 Mio. Euro. Sie können als Konsequenz des Strafverfahrens gegen Helmut Kiener jedoch auf mehrere Hundert Millionen Euro anwachsen. Die Zahl der Gläubiger könnte nach den aktuellen Erkenntnissen auf weit über 5.000 Personen steigen.

Im Juli 2011 wurde Kiener verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er als Gründer der Finanzkonstruktion K1 mit einem Schneeballsystem seine Gläubiger geprellt habe. Kiener wurde wegen zehnfachen Betrugs im besonders schweren Fall, 86 Fällen der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung und fünffacher Steuerhinterziehung verurteilt. Das Gericht blieb mit seinem Strafmaß von fast elf Jahren unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von zwölf Jahren und neun Monaten gefordert hatte.

Damalige Stimmen zum Sanierungsvorhaben

„Wir können derzeit von Massemitteln in der Größenordnung von über 500.000 Euro ausgehen. Es gibt jedoch aus dem derzeit laufenden Strafverfahren gegen Herrn Kiener heraus Anhaltspunkte dafür, dass noch weitere Vermögens- und Geldwerte im Ausland vorhanden sind. Diese müssen wir jedoch noch ermitteln, ebenso die genaue Zahl der Gläubiger und die Höhe ihrer Ansprüche. Wir möchten deshalb alle Personen, die Ansprüche gegen Helmut Kiener geltend machen, bitten, sich bei uns zu melden. Wir können dann die berechtigten Ansprüche aller Gläubiger an die Masse erheben und sicherstellen, dass sie zumindest einen Teil ihres Geldes wieder bekommen.“ (RA Tobias Hoefer)

 

„Die Abwicklung eines solchen grenzüberschreitenden Verfahrens bedeutet unter Umständen eine erhebliche Belastung für die Gerichte europaweit. Wir haben uns hier in Aschaffenburg auf eine Vielzahl von Gläubigern und den damit verbundenen Arbeitsaufwand eingestellt. Eine Bündelung nach der EUInsVO ist hier im Interesse der Entlastung der Justiz wie auch im Interesse der Gläubiger sinnvoll.“ (Insolvenzrichter Dr. Jürgen Roth, Amtsgericht Aschaffenburg)

Auf einen Blick:

  • Als Zulieferunternehmen für die Automobil-, Hausgeräte- und Bauindustrie war AKsys ein international tätiger Systemlieferant in den Bereichen Akustik, Hitzeschutz und Kunststoffbauteile
  • Die Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009 traf das Unternehmen hart
  • Zum 1. September 2009 hatte das Amtsgericht Worms das Insolvenzverfahren über das Vermögen der AKsys GmbH eröffnet
  • Zum Insolvenzverwalter wurde Tobias Hoefer bestellt
  • Die Entflechtung der AKsys-Gruppe und Überführung in eigenständige Geschäftsbereiche sicherte Standorte weltweit und insgesamt über 2.400 Arbeitsplätze

Der Klient

Als Zulieferunternehmen für die Automobil-, Hausgeräte- und Bauindustrie war AKsys ein international tätiger Systemlieferant in den Bereichen Akustik, Hitzeschutz und Kunststoffbauteile. So sorgten die Produkte von AKsys unter anderem für niedrige Fahrgeräusche im Fahrzeuginnenraum, den flüsternden Auftritt von Geschirrspülmaschinen oder die zuverlässige Abdichtung von Dächern, Fenstern und Fassaden. Zu den Kunden der AKsys GmbH gehörten alle namhaften Automobilhersteller und eine Vielzahl an Unternehmen der Hausgeräte- und Bauindustrie. Mit dem Stammsitz im rheinland-pfälzischen Worms besaß AKsys insgesamt zehn Standorte in Deutschland und Niederlassungen in Polen, Spanien, Brasilien, Mexiko und den USA. In Deutschland sind rund 1.800, im Ausland rund 600 Mitarbeiter für die AKsys-Gruppe tätig.

Die Ausgangslage

Die Geschäftsführung der AKsys GmbH hatte am 26. Mai 2009 Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt. Dieser Schritt war notwendig geworden, da durch die Wirtschafts- und Finanzkrise, die besonders die Automobilindustrie mit voller Wucht getroffen hat, der Umsatz stark zurückgegangen war. Bereits Mitte März 2009 hatte das Unternehmen daher gemeinsam mit seinen Gläubigerbanken bei der KfW um einen Kredit über 22 Millionen Euro aus dem „Wirtschaftsfonds Deutschland“ nachgefragt. Dieser Antrag war am 20. Mai 2009 abgelehnt worden. Zum 1. September 2009 hatte das Amtsgericht Worms das Insolvenzverfahren über das Vermögen der AKsys GmbH eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Tobias Hoefer bestellt.

Die Sanierungslösung

Nachdem Tobias Hoefer die Gläubiger über die bereits erfolgten Sanierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen und den Stand des Verfahrens informiert hatte, stimmten diese der Fortführung des Geschäftsbetriebes zu. Außerdem bestätigten sie Insolvenzverwalter und Gläubigerausschuss im Amt. Ein zentrales Thema war die Suche nach einem neuen Investor für das international tätige Unternehmen. Zahlreiche Interessenten aus dem In- und Ausland, darunter strategische und Finanzinvestoren, hatten sich darauf gemeldet. Zum 1. Juli 2010 wurde das Werk Peine des Geschäftsbereichs Kunststoffe der AKsys GmbH an die FPK (integriert in BATZ lightweight technologies) verkauft. Das Unternehmen gehört zur international tätigen MONDRAGON-Gruppe. Bereits im April 2010 hatte die MONDRAGON-Gruppe den von der AKsys-Gruppe gehaltenen 50%-Joint-Venture-Anteil an der spanischen FPK S.A. gekauft. Mit dem Verkauf des Werkes in Peine hatte Tobias Hoefer die Restrukturierung und Sanierung der international tätigen AKsys-Gruppe abgeschlossen. So konnte er unter anderem auch Standorte erhalten, die nach dem Restrukturierungsprogramm der AKsys vor dem Insolvenzantrag geschlossen werden sollten.

Insgesamt gesehen war der Sanierungsansatz recht ungewöhnlich. Die Unternehmensgruppe wurde entflochten, damit sich die einzelnen Geschäftsbereiche und Standorte von da an auf ihr Kerngeschäft konzentrieren konnten. Der Investorenprozess verlief erfolgreich, da mit der Entflechtung der jeweils beste strategische Investor identifiziert werden konnte.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Tobias Hoefer hatte den Geschäftsbetrieb der AKsys-Gruppe insgesamt 14 Monate in der Insolvenz fortgeführt und in dieser Zeit zusammen mit seinem Team die Standorte erfolgreich saniert, wieder zukunftsfähig aufgestellt und damit die notwendigen Voraussetzungen für den Verkauf geschaffen. Für den Verkauf der Standorte hatte der Insolvenzverwalter in Zusammenarbeit mit der renommierten Investmentbank Metzler Corporate Finance einen international ausgerichteten Investorenprozess aufgesetzt, der erfolgreich verlief. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das am Ende für alle Beteiligten erfolgreiche Ergebnis war, dass von Prozessbeginn an auch die nun umgesetzte Entflechtung der AKsys-Gruppe durch den Verkauf einzelner Geschäftsbereiche und Werke an den jeweils besten strategischen Investor geprüft wurde. Die einzelnen Geschäftsbereiche sind mit dem jeweiligen neuen Investor gut im Markt positioniert.

Insgesamt konnte der Insolvenzverwalter in den drei Geschäftsbereichen Kunststoffe, Isolation und Entdröhnung der ehemaligen AKsys weltweit rund 1.900 Arbeitsplätze und acht Standorte in Deutschland und Werke in den USA, Spanien, Polen und Mexiko erhalten. Allein im Werk in Peine konnten mehr als 100 Arbeitsplätze gerettet werden.

Damalige Stimmen zur Sanierung

„Ziel war es von Anfang an, möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu sichern. Gelungen ist uns dies, indem wir die Gruppe in sinnvolle Einheiten aufgeteilt und in eigenständige Geschäftsbereiche überführt haben. AKsys ist ein gutes Beispiel dafür, dass die sinnvolle Entflechtung einer Unternehmensgruppe in der Insolvenz für alle Beteiligten Vorteile bringen kann.“ (RA Tobias Hoefer)

 

„Das Know-how der AKsys-Mitarbeiter in Peine, die Fertigungstechnologien, die Produkte und die Kunden sind eine wichtige Ergänzung für uns. Mit dieser Übernahme stärken wir unsere Marktposition in Deutschland.“ (Oskar Goitia, Geschäftsführer „Automotive“ von MONDRAGON)

Auf einen Blick:

  • Der weltweit operierende Autozulieferer Robert Sihn GmbH & co. KG hatte im September 2011 Antrag auf Insolvenz gestellt
  • Das Amtsgericht in Pforzheim bestellte Tobias Hoefer zum Insolvenzverwalter
  • Beim führenden Hersteller von fluidischen und mechanischen Verbindungen für die Automobil- und Motorenindustrie standen die Bänder auch nach dem Insolvenzantrag nicht still
  • Lohnrückstände für die rund 510 Mitarbeiter wurden vermieden

Der Klient

Das Unternehmen Robert Sihn GmbH & Co. KG wurde im Jahre 1939 von Robert Sihn gegründet und hat sich seitdem international als führender Zulieferer von fluidischen bzw. mechanischen Verbindungen für sensible Bereiche des Automobilbaus – wie etwa Servolenkungen, Kraftstoff- und Ölkreislauf sowie aktiven Fahrwerksystemen – einen Namen gemacht. Für viele Automobilhersteller und -Zulieferer ist Robert Sihn mit seinen Produkten daher ein sogenannter „Single-Source“-Lieferant. Bei für die Motorfunktion wichtigen Komponenten wie Ringstück-Hohlschrauben ist das Unternehmen sogar Weltmarktführer. Heute fahren drei von vier Fahrzeugen deutscher Automobilhersteller mit Produkten von Robert Sihn. In den hoch modernen Werken am Stammsitz Niefern-Öschelbronn sowie Mühlacker in der Nähe von Pforzheim in Baden-Württemberg arbeiten rund 510 Mitarbeiter. Der Internationalisierung und der starken Kundennachfrage aus Südamerika hat Robert Sihn 1998 durch die Gründung eines Joint Ventures in Sao Paulo, Brasilien, der Firma MEC-SIHN, Rechnung getragen. Dieses Zweigwerk versorgt hauptsächlich den südamerikanischen Markt.

2010 setzte die Robert Sihn Gruppe rund 42 Mio. Euro als Zulieferer für Automobil-, Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller in aller Welt um. Hauptabsatzmärkte für Robert Sihn sind neben Deutschland die Länder der EU, Südamerika und die USA

Die Ausgangslage und Sanierungslösung

Auslöser für den Insolvenzantrag waren letztlich gescheiterte Gespräche über eine kurzfristig notwendig gewordene Brückenfinanzierung. Aus der auf die Auftragslage gestützten Wachstumsperspektive des Unternehmens ergab sich ein erhöhter Betriebsmittelbedarf, der nicht aus dem laufenden Geschäft gedeckt werden konnte. Gespräche über eine Kreditfinanzierung konnten nicht mehr rechtzeitig zum Abschluss gebracht werden, so dass dem Unternehmen im Oktober 2011 die Zahlungsunfähigkeit drohte. Auch die bereits begonnenen Verhandlungen mit einem Investor über einen Einstieg verzögerten sich dadurch. Durch den dreimonatigen Insolvenzgeldzeitraum erhielten Robert Sihn und Hoefer den notwendigen Spielraum für den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen mit Geldgebern und Investoren.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Die Auftragsbücher der Robert Sihn GmbH & Co. KG sind weiterhin gut gefüllt. In 2011 erwirtschaftete das Unternehmen aufgrund der guten Auftragslage ein Umsatzwachstum von über 15 Prozent auf rund 49 Mio. Euro. An den bestehenden Arbeitsverhältnissen an den beiden Standorten änderte sich nichts. Gemeinsam erarbeitete man gute Chancen für eine erfolgreiche Sanierung und hielt den Geschäftsbetrieb am Leben.

Damalige Stimmen zur Sanierung

„Wir haben in ersten Gesprächen mit Lieferanten und Kunden erreicht, dass wir Produktion und Vertrieb in vollem Umfang aufrechterhalten können. Auch für die rund 510 Mitarbeiter gibt es keine Einschränkungen. Die Löhne sind bislang pünktlich bezahlt worden und durch die heute schon in die Wege geleitete Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes ist ihr Einkommen auch für die nächsten drei Monate bereits gesichert.“ (RA Tobias Hoefer / Geschäftsführer Robert Sihn)

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Erfolgreicher Verkauf aller sieben operativ tätigen Gesellschaften / 300 von 490 Arbeitsplätze gesichert

 

Auf einen Blick:

  • Die REMAG Gruppe war ein mittelständischer Konzern mit Standorten in ganz Deutschland, der sich mehr als 70 Jahre lang auf den Verkauf sowie die An- und Verarbeitung von Stahlprodukten spezialisiert hatte
  • Am 20. Oktober 2017 hat der Konzern ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, nachdem die Gesamtfinanzierung nicht mehr gesichert war
  • Zum Sachwalter wurde RA Tobias Hoefer von HST Hoefer | Schmidt-Thieme bestellt
  • Die Anteile an den operativen Einheiten der REMAG Gruppe hielt während des Sanierungsprozesses treuhänderisch Dr. Florian Dausend, Cornelius Treuhand Holding GmbH & Co. KG
  • Die Eigenverwaltung wurde von einem Team um Alfred Hagebusch, Wellensiek Rechtsanwälte, und bei der Tochtergesellschaft PVG Kaltprofile von Stefan Meyer, Pluta Rechtsanwalts GmbH, unterstützt
  • Alle sieben Gruppengesellschaften der REMAG AG wurden innerhalb von nur vier Monaten erfolgreich an drei verschiedene Investoren verkauft
  • Dadurch blieben 300 der 490 Arbeitsplätze erhalten

Der Klient

Die REMAG Gruppe mit Sitz in Mannheim war ein mittelständischer Konzern mit Standorten in ganz Deutschland, der sich über 70 Jahre lang auf den Verkauf sowie die An- und Verarbeitung von Stahlprodukten spezialisiert hatte. Im Geschäftsjahr 2016 wurde mit rund 490 Mitarbeitern ein Umsatz in Höhe von ca. 180 Mio. Euro erzielt.

Die Ausgangslage

Die 2014 eingeleitete Neuausrichtung der Gruppe verlief besser als geplant und wurde erfolgreich vorangetrieben. Die für 2018 geplante Refinanzierung wurde jedoch erschwert, nachdem es über die Fortführung der Limite eines Warenkreditversicherers Unklarheiten gab und die Gesamtfinanzierung ins Wanken geriet. Als Konsequenz beantragte die REMAG AG und ihre operativen Gesellschaften am 20. Oktober 2017 beim zuständigen Amtsgericht in Mannheim ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Eigenverwaltung stellte das Gericht den Sachwalter Tobias Hoefer von der Kanzlei HST | Hoefer Schmidt-Thieme zur Seite.

Die Sanierungslösung

Mit Unterstützung der Kanzlei Wellensiek konnte Sachwalter Tobias Hoefer den Arbeitnehmern und den wichtigsten Gläubigern innerhalb von drei Monaten einen Plan zur nachhaltigen Sanierung des Unternehmens vorlegen. Wichtige Ziele waren, den eingeschlagenen Weg der Neuausrichtung durch die finanzielle Restrukturierung zu unterstützten, das operative Geschäft unverändert fortzusetzen sowie möglichst viele Arbeitsplätze und starke Kunden- und Lieferantenbeziehungen zu erhalten.

Als Lösung wurden die sieben bundesweit operativ tätigen Gesellschaften im Zuge einer übertragenden Sanierung an drei unterschiedliche Investoren verkauft, die sich in einem Investorenprozess gegen verschiedene Mitbewerber durchsetzen mussten. Die REMAG AG verkaufte die Tochterunternehmen HAGMEYER Stahlcenter GmbH, BTM Bewehrungstechnik GmbH und STAHL Ehrenfriedersdorf GmbH & Co. KG an die Sülzle Stahlpartner Gruppe in Rosenfeld. Die REMAG AG Niederlassung Soest und REMAG Stahl Distribution und Service GmbH in Nürnberg wurden von der indischen Steel Mont GmbH mit Sitz in Düsseldorf übernommen. Die Tochtergesellschaft PVG Kaltprofile Verarbeitungstechnik GmbH & Co KG ging an die Wickeder Westfalenstahl GmbH. Die M+M Gebäudetechnik war bereits im Dezember 2017 veräußert worden. Damit eröffnete HST innerhalb kürzester Zeit neue, hoffnungsvolle Perspektiven.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Alle sieben Gruppengesellschaften der REMAG AG wurden innerhalb von vier Monaten erfolgreich an drei verschiedene Investoren verkauft. Damit konnte die Zukunft aller sieben Gruppengesellschaften sowie die Arbeitsplätze für 300 der 490 Mitarbeiter gesichert werden.

Stimmen zur Sanierung

„Die Aufteilung der REMAG ist die beste Lösung für alle Beteiligten. Voraussetzung für den Erfolg war es, dass es uns gemeinsam mit allen Beteiligten gelang, den Geschäftsbetrieb in den einzelnen Gesellschaften bis zum tatsächlichen Verkauf fortzuführen.“ (Britta Hübner, Vorstandsvorsitzende der REMAG AG)

 

„Die Stahlbranche ist weiter im Umbruch, potenzielle Investoren konzentrieren sich bei Käufen auf ihr Kerngeschäft. Ein Verkauf der gesamten AG an einen Investor kam nicht in Frage, weil es dafür kein Angebot gab. Die REMAG Gruppe war dafür zu diversifiziert.“ (Dr. Florian Dausend, Cornelius Treuhand Holding GmbH & Co. KG)