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17.04.2020, Pforzheim. Die Folgen der Corona-Krise in Ländern wie Italien und Frankreich gaben letztlich den Ausschlag: Die Geschäftsführung der Microtherm GmbH, eines international renommierten Herstellers von Thermosensor-Lösungen für die Industrie, musste nun Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit stellen. Das zuständige Amtsgericht Pforzheim bestellte daraufhin den Sanierungsexperten Rechtsanwalt Marc Schmidt-Thieme (Kanzlei Hoefer Schmidt-Thieme) zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Er will zusammen mit Mitarbeitern und Geschäftsführung in den nächsten Wochen eine Fortführungslösung erarbeiten und potenzielle Investoren ansprechen. Der Betrieb läuft vorerst – gestützt auf eine gute Auftragslage – in vollem Umfang weiter. Die Microtherm-Gruppe erwirtschaftete zuletzt mit weltweit rund 200 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 20 Mio. Euro.

„Wir waren gerade dabei, zu investieren und unser Geschäftsmodell an neue Wachstumsfelder wie E-Mobilität anzupassen, als uns die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise in Europa trafen. Dadurch ist absehbar, dass kurzfristig Umsätze und Liquiditätsbeiträge, die wir dringend benötigt hätten, wegfallen werden. Insgesamt überfordert so der Finanzbedarf unsere Refinanzierungsmöglichkeiten, so dass uns nun die Zahlungsunfähigkeit drohte“, begründet Geschäftsführerin Tina Szodfridt den Insolvenzantrag. „Wir erhoffen uns von einem Regelinsolvenzverfahren mit einem ausgewiesenen Sanierer wie Rechtsanwalt Marc Schmidt-Thieme eine schnellere Umsetzung der finanziellen Restrukturierung im Vergleich zu alternativen Verfahren.“

Marc Schmidt-Thieme sagt in einer ersten Einschätzung:

„Ich sehe nach meinen ersten Eindrücken gute Chancen für eine Sanierung. Der Betrieb läuft, die Auftragslage ist gut. Jetzt wollen wir mit der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter die Voraussetzung für die weitere Betriebsfortführung schaffen. Wir können dann den vollen Insolvenzgeldzeitraum bis Ende Juni nutzen, um eine dauerhafte Fortführungslösung zu finden.“

Die Microtherm GmbH wurde 1965 in Pforzheim als Hersteller von „Temperaturwächtern“ gegründet. In den folgenden Jahrzehnten war das Unternehmen mit seinen Produkten (Thermoschalter und -sensoren) auch international erfolgreich und baute schon frühzeitig einen weltweiten Vertrieb auf. 1992 wurde eine Vertriebsgesellschaft in China, im Jahr 2002 eine Produktionsgesellschaft in Tschechien gegründet, 2012 folgte die Produktion in China. Hinzu kamen weitere Vertriebstochtergesellschaften und Niederlassungen in Indien, Italien und Brasilien. Der Standort in Indien wird aktuell zu einer neuen Produktionsstätte ausgebaut.

Heute positioniert sich Microtherm als umfassender Partner für die Entwicklung und Herstellung von Sensor-Systemen – als Komplettlösung für die Industrie aus einer Hand. Ihre Thermoregler, -schalter, -sensoren und -sicherungen finden Anwendung in der Automobilindustrie (Abgasregelung, E-Mobilität), in der Elektro- und Hausgeräteindustrie (Detektoren, Automaten, Waschmaschinen) sowie in der Investitionsgüterindustrie (Heizungs- und Klimaanlagen, Roboter, Fertigungslinien und Kraftwerke).

Die Produktion erfolgt an Standorten in China, Tschechien und neuerdings in Indien. Am Standort Pforzheim sind neben der Holding und der Verwaltung der zentrale Vertrieb sowie die Produktentwicklung und das Technologiezentrum angesiedelt.

 

Weitere Informationen:

Die Kanzlei Hoefer I Schmidt-Thieme – Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter ist an zwölf Standorten bundesweit tätig und auf komplexe Insolvenzsachverhalte, Sanierungen über Insolvenzverfahren sowie gerichtsnahe Tätigkeiten spezialisiert. Dazu zählen zum Beispiel die fachliche Begleitung von Eigenverwaltungen, die Erstellung von Insolvenzplänen oder die Übernahme von Treuhänderschaften in außergerichtlichen Sanierungen. Bundesweit bestellen 18 Gerichte die Fachanwälte der Kanzlei als Insolvenzverwalter.

Marc Schmidt-Thieme studierte Rechtswissenschaften in Heidelberg. Das Referendariat absolvierte er in Heidelberg und in Singapur, wo er für den deutschen Industrie- und Handelstag tätig war. Marc Schmidt-Thieme ist seit 1998 als Rechtsanwalt zugelassen und arbeitet seit 1999 als Insolvenzverwalter mit Schwerpunkt Unternehmenssanierung und Restrukturierung. Zu seinen bekanntesten Verfahren zählen der Leiterplattenhersteller Greule, die Stb Fahrzeugbau, der Automobilzulieferer Sihn, das Maschinenbauunternehmen Karl-H. Mühlhäuser GmbH & Co. KG  sowie die RUG (Riegelhof & Gärtner) und die ROB Gruppe. Darüber hinaus sanierte er als Insolvenzverwalter erfolgreich Dipach energy, Zentro-Elektrik und die Maxxtec AG. Marc Schmidt-Thieme ist Mitglied im VID (Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands) und der TMA (Turnaround Management Association).

 

Pressekontakt:

Sebastian Brunner
Unternehmenskommunikation
Mobil: 0175/5604673
E-Mail: sebastian.brunner@brunner-communications.de

Pressemitteilung „Microtherm muss Sanierung im Insolvenzverfahren fortsetzen“ (PDF)

Bildquelle: © Microtherm GmbH (Screenshot)

Auf einen Blick:

  • Großkunde zahlte nicht und brachte etablierten Elektronik-Fertiger unter Druck
  • Betriebsprozesse und Löhne für 220 Mitarbeiter am Standort Neulingen gesichert
  • Insolvenzverwalter Marc Schmidt-Thieme und Tobias Hoefer sanierten erfolgreich
  • Amerikanischer Investor Cemtrex übernahm komplett und verfolgt Langfriststrategie
  • Alle Geschäftsbereiche wurden fortgeführt und über 200 Mitarbeiter weiter beschäftigt

Der Klient

Die ROB-Unternehmensgruppe war ein führender Auftragsfertiger von elektronischen Baugruppen und Systemen für Medizintechnik, Regenerative Energien, die Automobilindustrie sowie die Automatisierungs-, Mess- und Regeltechnik. Sie bestand in Deutschland aus den Tochtergesellschaften ROB-Connect GmbH, ROB-Engineering GmbH, ROB-Electronic GmbH sowie aus der ROB-Holding AG.

Diese Gesellschaften beschäftigten insgesamt rund 220 Mitarbeiter am Standort Neulingen. 2012 wurde ein Umsatz von über 48 Mio. Euro erzielt. Angefangen von der Hard- und Software-Entwicklung über die exklusive Fertigung komplexer Produkte in höchster Qualität bis hin zur Übernahme von Logistik- und Lagerfunktionen hatte sich ROB für große Konzerne als Full-Service-Partner etabliert.

Die Ausgangslage

Die vier deutschen Gesellschaften der ROB-Gruppe hatten aufgrund von überraschend aufgetretenen Zahlungsstockungen bei einem Großkunden im Umfang von mehreren Millionen Euro Ende März 2013 Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit stellen müssen. Die Auslandsgesellschaften (Schweiz, Rumänien) waren nicht Bestandteil des Insolvenzverfahrens.

Die Sanierungslösung

Die HST-Gründungspartner Schmid-Thieme (für die ROB-Connect GmbH und ROB-Engineering GmbH) und Hoefer (für die ROB-Electronic GmbH und ROB-Holding AG) führten zusammen mit Geschäftsführer Frank Bittighofer die ROB während des Insolvenzverfahrens in vollem Umfang fort und stabilisierten die Gruppe. Im Juni und Juli hatten die Auftragseingänge weiter zugenommen, wobei die Neulinger auch einige Aufträge der zwischenzeitlich geschlossenen Schweizer Tochtergesellschaft übernehmen konnten.

Nach einem intensiven Transaktionsprozess lagen in der Endphase vier Optionen für eine dauerhafte Fortführungslösung vor.

Mit einem überzeugenden Erwerberkonzept übernahm dann der US-amerikanische Investor Cemtrex Inc. alle Geschäftsaktivitäten zum 1. November 2013. Das Unternehmen punktete nicht nur bei den Gläubigern, sondern auch bei den anderen Verfahrensbeteiligten u. a. mit einem wachstumsstarken Geschäftsverlauf, mit Expansionsplänen in Europa und einen exzellenten Ruf als ein weltweit führendes Unternehmen für die Herstellung und den Verkauf von Technologien zur Emissionskontrolle, Prozessanalyse sowie Mess- und Regeltechnik für industrielle Anwendungen.

Das wirtschaftliche Ergebnis

Die bislang vier Gesellschaften wurden mit allen Geschäftsbereichen in der neuen ROB Cemtrex GmbH zusammengefasst. Der Standort wurde gesichert und die verbliebenen über 200 Mitarbeiter der ROB-Gruppe blieben in Lohn und Arbeit. Unter dem alten und neuen Geschäftsführer Frank Bittighofer eröffnete sich sieben Monate nach dem Insolvenzantrag wieder eine positive Zukunftsperspektive für einen der führenden Auftragsfertiger von elektronischen Baugruppen und Systemen in Deutschland.

Damalige Stimmen zur Sanierung

„Um alle Sanierungschancen zu wahren und die Möglichkeiten des deutschen Insolvenzrechts maximal dafür zu nutzen, haben wir uns entschieden, sehr frühzeitig Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen.“ (ROB-Vorstand Frank Bittighofer)

 

„Die gefundene Lösung ist das Optimum für die Gläubiger, für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Die ROB verfügt nun wieder über eine starke finanzielle Basis.“ (RA Marc Schmidt-Thieme)

 

„Wir sehen erhebliches Wachstumspotenzial.“ (Saagar Govil, Vorstandsvorsitzender von Cemtrex)